Archive for April, 2012

Longseller, auf hohem Niveau

Montag, April 30th, 2012

Im Mai 2011 publizierte Wolfgang Tischer sein E-Book ‚Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen‘ im Selbstverlag. Im literaturcafe.de legt er seitdem Zeugnis ab über Aktivitäten und Verkaufszahlen des Titels. Ein interessantes und lehrreiches Experiment für Selfpublisher und Verlage gleichermaßen!

In einem Post vom 26. April hat Tischer nun noch einmal die aktuellsten Verkaufszahlen zusammengefasst und aktualisiert – anlässlich der Diskussionsrunde auf der re:publica-12 zum Thema ‚Selfpublishing – Was Autoren vom Self-Publishing erwarten können (und was nicht)‘. Schaut man sich die Daten an, dann ergibt sich ein interessantes Bild. Insbesondere dann, wenn man einmal versucht, den Kurvenverlauf abstrakt zu betrachten zeigt sich: Tischers Titel ist ein Longseller auf hohem Niveau.

Doch werfen wir kurz einen Blick auf einzelne Monate. Der Titel startet durch im Juni, mit 553 Verkäufen. Und das hat einen Grund: Am 19. Juni stellt SPIEGEL ONLINE „die E-Book-Frage: Wer braucht noch einen Verlag?“ und berichtete ausführlich über Tischers Titel. Das sorgte für einen guten Einstieg. Danach gibt es zwei Peaks, einen im Oktober und einen im Dezember, die ebenfalls leicht erklärt sind: Im Oktober begann Amazon mit dem Verkauf des Kindle 4, erstmals mit deutscher Menüführung und voll lokalisiert, zu haben zu einem Preis von unter 100 EUR. Das hat sicher bei vielen Autorinnen und Autoren die Neugier für das neue Medium geweckt. Der Dezember war überhaupt ein starker Monat für E-Books. Viele Reader und Devices wurden gekauft und verschenkt, der Peak, den alle Anbieter von Inhalten gleichermaßen stark wahrgenommen haben, die natürliche Folge davon.

„Rechnet“ man nun einmal die Peaks einzelner Monate heraus (rote Kurve), so zeigt sich: ‚Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen‘ weist einen relativ typischen Verlauf auf. Der negative Rückgang liegt jedoch auf hohem Niveau! Nach 9 Monaten noch mehr als 200 E-Books im Monat zu verkaufen, das ist beachtlich. Bei Tischers Titel erklärt sich das vielleicht aus dem Genre: Technik-Ratgeber. Denn Longseller sind einerseits Titel, die kontinuierlich für Aufmerksamkeit sorgen oder Bücher mit Gebrauchswert, die sich gut verkaufen, solange die Fragen offen bleiben, die sie thematisieren (oder tabuisiert werden, was Charlotte Roches Riesenerfolg ‚Feuchtgebiete‘ verdeutlicht). Bei herkömmlichen Romanen wird der Verlauf der Kurve aber vermutlich anders aussehen: Mehr Sales zum Verkaufsstart, ein schwächerer Longtail.

Welche Schlüsse kann man nur als (Selbst-)Verleger ziehen, abgesehen davon, dass Tischer technisch einfach sehr viel richtig gemacht hat – und somit den Nutzwert seines E-Books über den Verkauf von E-Books unter Beweis stellt.

E-Books dürfen nicht einfach publiziert werden! Jede Veröffentlichung muss durch ein zielgruppen- und titelbezogenes Marketing und PR angestoßen werden, flankiert durch gute Kommunikationsarbeit via Facebook, Twitter und die Social-Media-Kanäle der Wahl. Gibt es eine Geschichte zum Buch? Wer schreibt hier worüber? Warum wird der Titel genau jetzt veröffentlicht? Richtiges Timing und Taktung sind Schlüsselkompetenzen für die Veröffentlichung von E-Books. Ein Artikel auf SPIEGEL ONLINE parallel zur Veröffentlichung, davon kann man natürlich als Publisher nur träumen, rechnen kann man damit nicht.

Aber nicht nur die Latenz des Themas E-Books in den alten Medien; bei Tischers Titel hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sein offener Umgang mit den Verkaufszahlen dazu geführt, dass WDR, das ZDF und der Elektronische Reporter ihn als Experten zurate gezogen haben, um dieses für sie neue Thema zu erhellen.

Nur die kontinuierliche Aufmerksamkeit für ein Thema, eine Autorin, eine Geschichte oder Serie/Reihe sorgt dafür, dass einzelne E-Books in den sichtbaren Bereichen der Shops ‚auftaucht‘, wie z.B. Empfehlungslisten, Genreseiten, Top10. Deshalb eignen sich Serien und Fortsetzungen bei elektronischen Veröffentlichungen von Romanen und Sachbüchern/Ratgebern gleichermaßen. Als Belege siehe man nur die großartigen Erfolge von Jonas Winners ‚Berlin Gothic‘, E.L. James ‚Fifty Shades of Grey’, die Webnovel ‚Apocalypsis‘ oder den neuen E-Book Knaller ‚Survivor‘ von Bastei Lübbe.

Auch regelmäßige Updates von Fachbüchern, wie im Fall von Tischers E-Book, sind ein Zeichen für aktuelle und aktualisierte Informationen in einem kompakten Format. Das bindet bestehende und findet neue Leser für digitale Bücher, so dass man erwarten kann, dass sich die Kurve auch weiterhin nur moderat rückläufig entwickelt!

Work, Progress – E-Book Bestsellerlisten (Eine Entgegnung)

Dienstag, April 17th, 2012

Am Dienstag, den 10. April veröffentlichte Stefan Winterbauer unter dem Titel „Die scheinheiligen E-Book Bestsellerlisten“ einen Post im Blog von Meedia.de, in der er die aktuellen E-Book-Charts von von Media Control kritisiert. Sie stünde in Diensten der „klassischen Verlagswelt“, so der Tenor, und würden aktuelle Trends des E-Book-Marktes ignorieren. Sein Urteil geht jedoch fehl!

Als Kommentar zu Winterbauers Post möchte ich einige Informationen vorbringen, die vielleicht helfen, die Sachlage ein wenig besser zu verstehen. Ferner möchte ich dafür werben, das Thema E-Book-Charts weiter konstruktiv zu unterstützen und (durchaus) kritisch zu begleiten.

Meine persönliche Wahrnehmung ist die, dass alle an E-Books interessierten und beteiligten Personen und Unternehmen – vom Autor, dem Verleger zum Shop bis hin zum Leser – gleichermaßen an dem Thema E-Book-Charts interessiert sind. Sie sind nicht nur wichtig für eine Professionalisierung des E-Book-Marktes hinsichtlich Marketing und Vertrieb (für Autoren/Selfpublisher und Verlage gleichermaßen), sind nicht nur ökonomisch relevant, sondern Charts machen überdies auch „ganz schön viel Spaß“, wie Johnny Haeusler es hier auf den Punkt bringt! Nun gut, aber wo liegen nun die Probleme bei der Erstellung der E-Book-Charts, so dass sich eine Kritik rechtfertigen ließe?

Die Herausforderung für die Erstellung einer E-Book Bestsellerliste liegt darin, zunächst einmal relevante und repräsentative Daten zu bekommen. Der deutsche E-Book-Markt weist eine weltweit sicherlich einmalige Vielfalt und Komplexität auf. Das hat Vorteile! So können viele kleine Shops und Buchhandlungen am E-Book-Geschäft partizipieren. In keinem anderen Land gibt es eine so große Vielzahl von E-Book-Händlern mit Hunderten von Shops (White-Label- oder selbst entwickelte Shops).

Diese Vielfalt und Komplexität hat aber auch Nachteile! Es ist für Verlage und Autoren fast unmöglich, sämtliche Shops ordentlich mit Metadaten und E-Book-Dateien zu beliefern. Zumal in einem Markt, der sich in so vielen widrigen Details noch finden und etablieren muss. Solche Details sind eben auch: Die Abrechnung von E-Books und die Übermittlung von Verkaufsinformationen.

Man muss wissen, dass die meisten Shops den Verlagen und Autoren derzeit i.d.R. nur in monatlichen Rhythmen Verkaufsinformationen in Form der Lizenzabrechnung zukommen lassen – in unterschiedlichen Formaten und auf unterschiedlichen Wegen. Je mehr Shops im Markt sind, desto komplizierter wird die Angelegenheit!

Die zeitnahe oder tagesaktuelle Übermittlung von Abrechungsdaten und Trendinformationen an Rechteinhaber oder Marktforschung ist ein Thema, an dem die Branche schon länger mit Hochdruck arbeitet! Es gibt eine Reihe von Bemühungen in Gruppen, Kommissionen und Unternehmen, um genau die Strukturen aufzubauen oder zu optimieren, die es erlauben, Trendinformationen von den Shops an Verlage, Autoren oder Marktforschung zu übermitteln. Man denke hier an die Entwicklung von Standards (EDItX ist eine Art EDI für die E-Book-Branche) oder Protokollen zur zeitnahen Übermittlung der Daten. Hier steht eine erhebliche Verbesserung der Datensituation in Aussicht (und ich behaupte das deshalb, weil ich wesentlich an der Adaption von EDItX für den deutschen Markt mitgearbeitet habe).

Nicht zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Daten für die Ermittlung Charts ja keineswegs nur – oder gar hauptsächlich – von den Verlagen kommen! Der Vorwurf, die Bestseller-Listen würden eher das Wunschdenken der klassischen Verlage repräsentieren und weniger das tatsächliche Kaufverhalten der E-Book-Kundschaft, ist also nicht begründet. Und das es Regeln bei der Ermittlung der Charts gibt, die nicht allen Teilnehmern unmittelbar einsichtig sind, liegt in der Natur der Sache. (Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es „Auf dem Schreibix sein Blog“: Woher die Zahlen für die neue E-Book Bestsellerliste stammen und was sie bedeuten.)

Die Erstellung einer E-Book-Charts in einer komplexen Umgebung ist eine große Herausforderung und von der Beteiligung einer Vielzahl von Shops und Verlagen/Autoren abhängig. Wenn die Branche, dass heisst Autoren, Self-Publisher, Verlage, Shops und Leser sich aber gleichermaßen darin einig sind, dass es sinnvoll ist, Trenddaten auszuwerten und in Form einer E-Book-Charts zu publizieren, dann wird sich die Verbesserung umso schneller zeigen, und spannende Daten der E-Book-Charts auch weiteren, kritischen Analysen standhalten.

Blogging Needs a Beginning

Dienstag, April 17th, 2012

Well, blogging needs a beginning. And this is it, obviously taking some of the texts, that I have written and presented over the last years being involved in ebooks and digital publishing, putting them online, here, assembled. Some of them outdated, which makes it so obvious for me, that change does not make halt even in front of game changing innovations!

Hey, publishing! Innovation and change will not make halt, even not in front of you, telling everyone (who is not at all interested in listening to you), how important reading and education is for everyone or for society or for culture or the future of mankind! I am with you, although I might be one of the few!

A historical perspective is always a very helpful (and I can tell as I have spend months working in the dusty archives of the 17th and 18th Century). I will constantly be asking and irritating myself: What will I think reading my own posts in 10 years? Does it make sense now? Did it make sense then? Am I alienated enough, which I would consider to be a good thing, or am I just embarrassed?

Apropos embarrassing … I will write in German, and I will try to write in ‚Englisch‘ as well, often, whenever possible or suitable! But please prepare for the worst English and excuse me for my mistakes! Someone very close to me would not even let me publish any of my ‚proprietary Genglish‘ posts to you, but I must not ask her to have a look at anything I expect to write, beforehand. I cannot even thank her enough for everything she did for me over the last years!

Many topics will surely not be interesting for an international audience: Details, debates, companies, constellations in the German ebook market. (We have a bookprice fixing! – You want to learn about bookprice fixing?) I will focus writing posts in English that might be interesting for you, my dear reader!

Why „Publishing hurts“?

We are Zeitzeugen of a shift of paradigm in media, which will violently and vehemently shake and shatter the foundations of a more than two hundred year old business model. For publishers – and I consider myself to be one of them -, it is not always easy to cope with this change and to position themselves in a completely reshaped digital environment.

The move towards ebooks and epublishing can only succeed with effort and sacrifice, which will be painful and still require a passionate involvement at the same time. Ebooks are often the cause of bad mood, insomnia, headaches, even depression, especially when publishers deal with ebooks because „they have to.“

On the other hand, there is so much passion, love, lust, energy – pathos in publishing! These are Nietzschean dimensions! It is a wonderful suffering, this digital publishing! Publishing hurts!

In no other industry you will find people with more inspiration, vivacity, wit, love, lust, passion and affirmation for what they are doing. And this ‚passionate digital publishing‘ is what I personally care of, what drives me as a publisher and service provider, and what will hopefully influence and determine the posts of this blog!

Businesswise, have a look at my LinkedIn page. Currently, I am available for advice, support, consulting and strategic business development in the fields of ebooks, digital distribution and ebook retail marketing. I can offer project management with expertise in implementation, might be able to bring good people and good companies together. I would also be open for an international commitment.

You can reach me via email, by phone or via Twitter.

E-mail address: s.posth [a t] googlemail.com
Mobile: +49 170 201 7001
Twitter: @sposth