Archive for Februar, 2013

[UPDATE] Pressbooks veröffentlicht Online-Publishing Paket als WordPress-Plugin

Mittwoch, Februar 27th, 2013

Beachtenswert und sehr cool für Verlage und Selfpublisher gleichermassen: Ende Januar wird Pressbooks ein komplettes Online-Publishing-Paket zur Herstellung von Büchern, Ebooks und Webbooks als WordPress-Plugin unter einer GPL Open Source Lizenz zur Verfügung stellen!

[Update 26. Februar 2013]
Das WordPress-Plugin is nun verfügbar. Hier finden sich einige wichtige Informationen:
http://blog.pressbooks.com/?p=211

Die letzte Version wird jeweils hier gehostet:
https://code.google.com/p/pressbooks/

Webbooks online publizieren
Das bedeutet ganz konkret: Man kann mit Pressbooks Bücher und Ebooks online schreiben, zugleich in einem Abwasch das Druck-PDF und Ebook-Dateien erzeugen! Nach der Herstellung können die Bücher online im Browser oder optimiert für Tablets und Smartphones als Webbook publiziert werden.

Zudem haben Verlage und Autoren die Möglichkeit, mit Pressbooks eine schlanke, eigene Webseite für die Publikations-Projekte zu erzeugen und ihrem jeweiligen Design anzupassen.

Hier zwei Beispiele von Webseiten und Publikationsprojekten, die mit Pressbooks erzeugt wurden:

http://askmen.pressbooks.com/
http://theroguereader.com/

Hugh McQuire schreibt auf dem Pressbooks Blog:

„Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft des Buches neue Modelle verlangt, und neue Modelle brauchen offene Plattformen, die es Verlagen und Autoren erlauben, Dinge auszuprobieren. […] Wir wollen, dass Verlage mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren, insbesondere mit der Möglichkeit, Inhalte als Webbooks online bereitzustellen. […]

Pressbooks wird für Nutzer kostenfrei bleiben, aber wir werden Premium-Dienste anbieten bei der Herstellung von Druckvorlagen, Ebooks und Webbooks. […] Das Pressbooks-Plugin kann kostenfrei heruntergeladen werden, der Code angepasst und frei genutzt werden.“

Meine Empfehlung für Verlage für das neue Jahr 2013!

Die Bedeutung dieser Ankündigung kann man meines Erachtens nicht hoch genug einschätzen. Mit Pressbooks können nun digitale Inhalte sehr unkompliziert hergestellt werden und in kompakter Form auf für die jeweiligen Titel angefertigten Webseiten publiziert werden. Das Online-Lesen ist schick, funktioniert extrem gut auf Smartphones oder anderen Devices, man kann Inhalte aus der Anwendung heraus teilen oder Zitate zu Facebook oder Twitter senden. Falls Inhalte auch über Ebooks-Shops vertrieben werden, kann man als Autor oder Verlag seine Leser direkt zum Kindle-Shop, iBookstore oder anderen Shops schicken.

Ich kann mich Hugh’s Empfehlung nur anschließen: Testet Pressbooks doch einfach mal!

 

Über Datenmonitoring in der Verlagsbranche

Montag, Februar 25th, 2013

Zum Thema Datenmonitoring habe dem Buchreport ein Interview gegeben: „Mit Daten statt Intuition entscheiden“: Sebastian Posth über Vorteile von Big Data für Verlage. Hier der Wortlaut, die Fragen stellte Daniel Lenz:

Über kaum ein anderes Thema wird in internationalen Unternehmen aktuell so viel diskutiert wie über Big Data. Firmen können via Twitter, Facebook sowie mithilfe eigener Communitys die Vorlieben ihrer Zielgruppe detailliert studieren. Für Verlage ist das datengetriebene Handeln jedoch Neuland, wie der E-Book-Experte Sebastian Posth im Interview erklärt. Der Berater skizziert im Vorfeld seines Auftritts auf der TOC buchreport am 23. April in Berlin die Big-Data-Perspektiven. Mehr Informationen über die TOC buchreport finden Sie hier.

In der Verlagswelt wird viel über Big Data gesprochen. Ist das der neue Heilsbringer?
Das operative Geschäft der Verlage ist einem radikalen Wandel unterzogen. Digital Publishing und Social-Media-Marketing, d.h. die neuen Formen des Vertriebs und der Vermarktung von E-Books sowie die veränderte Ansprache von Lesern sorgen für viele neue Herausforderungen, gerade was die Koordination der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder betrifft. Experimente sind dabei zwar sinnvoll, um Erfahrungen zu gewinnen. Wenn es aber um die wirklich wichtigen Entscheidungen für einen ganz neuen Markt geht, dann sollten Verlage es besser mit Jeff Bezos halten und eine methodische Herangehensweise und genaue Datenanalyse dem intuitiven Handeln vorziehen. Datengetriebenes Handeln ist für Verlage ein relativ neues Feld, nicht nur, wenn es um digitale Distribution geht. Aber die Sensibilität für das Thema steigt. Mit Big Data hat dies allerdings aktuell noch nicht viel zu tun.

Woran hapert es?
Bei Big Data geht es um die Analyse riesiger Daten­mengen. Das wird von Buchverlagen aktuell nur selten praktiziert. Wenn man alle Daten aus den unterschiedlichen Quellen zusammenführen und analysieren würde, gäbe es auch für Verlage eine Menge Informationen, aus denen sich relevante Erkenntnisse gewinnen ließen. Das ist übrigens der Ansatz meines Projekts „Monitor“, mit dem wir Verlagen die integrierte Auswertung unterschiedlicher Datenquellen anbieten werden. Die Verkaufsdaten der E-Book-Shops oder Nutzungsdaten der Bibliotheksplattformen sind ganz wichtig, jedoch ohne den entsprechenden Kontext relativ wertlos. Dass Titel verkauft oder lizenziert wurden, ist nur das Ergebnis vorhergehender Aktivitäten. Interessanter ist also: Können diese Marketingaktivitäten gemessen und in einen Zusammenhang mit den Verkaufszahlen gestellt werden?

Welche Daten sollten analysiert werden?
Sicher spielen weiterhin Rezensionen in klassischen Medien eine wichtige Rolle, immer wichtiger werden jedoch Blog- und Leserrezensionen in den Shops sowie auf Lektüreportalen wie Lovelybooks oder Goodreads. Nicht zu vergessen die Reaktionen auf Social-Reading-Plattformen wie Readmill oder Skoobe, wo ebenfalls qualifizierte Bewertungen abgegeben werden. Der Social-Buzz, der via Twitter oder Facebook erzeugt wird, ist zwar nicht weniger interessant, liefert jedoch aktuell oft nur rein quantitative Information über die Traktion eines Titels – selbst ein ‚Like‘ muss nicht immer eine positive Bewertung sein. Entscheidend ist, diese Einflussfaktoren mit den Verkaufszahlen der E-Book-Shops zu verknüpfen, denn die Absatzzahlen an sich bieten nur relative Aussagen über die Popularität einzelner Titel im Vergleich zu anderen. Perspektivisch ließe sich der Datenfokus noch weiter aufziehen, nach den Maßstäben des E-Commerce: Aus den verlagseigenen oder fremden Shopseiten ließen sich weitere Daten extrahieren: Welche Verkäufe entstehen aus Aktionen heraus oder werden nach Leseproben generiert? Wie hat ein Kunde ein Buch gefunden, wonach hat er gesucht? Welche anderen Artikel oder Bücher liegen mit im E-Book-Warenkorb?

Kurzfristige Entscheidungen der Verlage werden dadurch erschwert, dass es kaum Daten der Shops gibt. Welche Perspektiven sehen Sie angesichts dieses Nadelöhrs?
Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich die Standards beim Datenmonitoring in der Verlagsbranche sehr schnell entwickeln werden. Viele E-Book-Shops liefern Verlagen und Autoren bereits jetzt schon Trenddaten auf täglicher Basis, weitere Shops werden ihre Systeme noch in diesem Jahr darauf einstellen, Verkaufstrends zeitnah an Verlage zu übermitteln. Verlage haben ein Recht auf eine monatliche oder quartalsweise Lizenzabrechnung. Warum sollte man ihnen nicht täglich die Informationen geben, die helfen, den Vertrieb und Vermarktung von E-Books zu verbessern? Davon profitieren doch sowohl Shop als auch Verlag!

Dieser Beitrag erschienen am 21. Februar 2013 auf Buchreport.de