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Die Leipziger Buchmesse 2016 – ein persönlicher Rückblick

Sonntag, März 20th, 2016

Die FlaniesLeipzig ist eine Insel des Glücks. Die Stadt und die Menschen und die Buchmesse sind einfach nur toll. Natürlich ist das nur eine selektive und subjektive Wahrnehmung, die sich aber Jahr für Jahr persönlich und empirisch bestätigt.

Es ist schon auffällig wie freundlich die Menschen hier sind. Ein Scherz’chen hier, zuweilen selbst feine Ironie, eigentlich ergibt sich immer ein kurzes Gespräch mit prinzipiell positiv gestimmten Menschen.

Auch der Blick auf die Stadt erfreut grundsätzlich. Es ist ein schönes Gefühl, durch die Straßen zu laufen. Die Schwingungen der Stadt machen froh. Leider wird Leipzig langsam fertig, städteplanerisch und bautechnisch. Immer weniger alte und baufällige Substanz, schreckliche Architektur hält vermehrt Einzug, der die Markierungen der Subkultur aber hartnäckig Widerstand leisten.

Bei den Preisen in der Restaurants, Bars und Läden fühlt man sich in die 90er zurückversetzt. Allein die Hotelliers haben eine realistische Vorstellung turbokapitalistischer Prinzipien von Angebot und Nachfrage (was aber bestimmt an diesem Internet liegt).

Vegane Speisen selbst in schnöden Foodketten, vegane Burgerläden, vegetarische Restaurant an allen Orten. Und alles völlig authentisch, ohne den Hipstergestus der Hauptstadt. Ich vermute, in keiner Stadt Deutschlands kann man sich so gut und gesund ernähren wie in Leipzig. Das muss ein echter Wellnesstrip sein für die Mägen der Münchner, Berliner und Frankfurter Verlagsmenschen.

Auch die Leipziger Buchmesse ist besonders. Sieht man in Frankfurt verpeilte Anzugträger durch die Gänge eilen, so gleich Leipzig einem wohligen Bad von cosplayenden Freaks, die einem in aller Freundlichkeit ihr Alter Ego und ihre Outfits erklären, oder ihre Apparaturen demostrieren. Wo in Frankfurt die Prostituierten ihre Enttäuschung über das Buchmessen-Klientel zum Ausdruck bringen (menschliche Nähe suchen Buchpeople dort im Gegensatz zum Personal der Automobilbranche unter Gleichen) gibt es in Leipzig ‚Free Hugs’.

Eigentlich sind Verlage und VerlagsmanagerInnen in Leipzig überhaupt überflüssig – und es wird zunehmend sinnlos zu versuchen, in Leipzig geschäftliche Verabredungen zu vereinbaren. Hier geht es um den Austausch zwischen LeserInnen und AutorInnen, die sich auf eigenen Ständen präsentieren, auf unzähligen Events Informationen gewinnen können und den Kontakt zur Leserschaft suchen. Und auch das macht alle Beteiligten (LeserInnen und AutorInnen) sehr glücklich.

Wer in Zukunft die Vermittlungsrolle einnehmen wird zwischen AutorInnen und LeserInnen wurde überall deutlich: LiteraturbloggerInnen. Ihnen bereitete man ein herzliches Willkommen: Großzügig und unproblematisch vergab die Messegesellschaft Presseausweise (Ausnahmen bestätigen die Regel), stellte WLAN und Flächen zum Dialog unereinander und mit AutorInnen zur Verfügung. Verlage hießen BloggerInnen mit offen Armen willkommen, Pressearbeit heißt jetzt Blogger-Relations. Zwar füllten auch traditionelle Zeitungsmedien die Flächen (und Kassen der Buchmesse), die Hostessen konnten einem aber fast Leid tun in ihrem verzweifelten Versuch, Probeabos an die Frau und den Mann zu bringen.

Die Zeiten ändern sich, das war spürbar.

Viele Verlage und die meisten Dienstleister (zumindestens im digitalen Umfeld) haben auf einen eigenen Stand verzichtet. Und im Wissen darum hat die Buchmesse reagiert: An jeder Ecke gibt es Café’s mit ausreichend Platz und Tischen, um sich für ein Gespräch niederzulassen. Viele Konversationen finden in den Gängen statt, was eine gewisse Dynamik mit sich bringt. Das ist sehr förderlich, bedenkt man den Sinn einer Buchmesse: Möglichst viele Gespräche zu führen mit möglichst vielen Kollegen in möglichst kurzer Zeit – Tag und Nacht, schlafen kann man daheim.

Innovationen sucht man vergeblich. Sie haben mit der Leipziger Buchmesse ungefähr so viel zu tun wie der Mars mit Kartoffelanbau. Man bemüht sich, aber es ist kompliziert.

In diesem Jahr gab es einen Standkomplex mit dem bemühten Namen „Neuland 2.0“, an dem sich einige Start-ups der Verlagsszene präsentierten. Irgendwie bezeichnend, dass der Bereich am Messe-Donnerstag ein durch Wände abgeschlossener Bereich war, in den man voyeuristisch durch’s Fenster hineinlugen und dort alle Elemente der Start-up-Kultur entdecken konnte, die die deutsche Vorstellungskraft erwarten würde. Ein Forum mit legeren Sitzmöbeln und einem Kickertisch im Gravitationszentrum des Raumes. Auch am Messe-Sonntag war der Bereich (wie ich hörte) geschlossen, wie man es aus Frankfurt gewöhnt ist, wo von so vielen Kollegen aus Übersee (trotz Vertragsstrafen ob ihrer Abwesenheit) nur Spuren in Form von Visitenkarten zu finden sind.

Gut gefüllt war hingegen der Stand des COMPACT Verlags in Halle 5, von besorgten Bürgern, die sich von Mitarbeitern des Stands erklären ließen, wie man zielgerichtet die aktuelle deutsche Verfassung auszuhöhlen und den Raum östlich von „Mitteldeutschland“ zu rekultivieren gedenkt. Es ist erfreulich, dass sich täglich Demonstranten einfanden, um gegen diese eklige Präsenz Stellung zu beziehen. Völlig unverständlich, warum die Buchmesse den Stand in unmittelbarer Nähe der „jungen Verlage“ platziert hat. Hier bin auf das Nachspiel und die Reaktionen der Verlagskollegen auf diese absurde Standpolitik der Buchmesse sehr gespannt. Andererseits spricht es natürlich für die Fähigkeit der Messegesellschaft, Stimmungen und Konflikte in der Gesellschaft aufzunehmen und in der Standplanung abzubilden, ohne Rücksicht darauf, dass diese Fähigkeit ökonomische Konsequenzen haben könnte.

Innovativ und zugleich mit größtmöglichem Understatement (und kleinstmöglicher Standfläche) zeigten sich – wie zu erwarten – die Flamen und Niederländer, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016. Die „Flanies“ präsentierten VR-Kunst in Form virtuell-animierter Poesie und gaben einen vielversprechenden Ausblick auf das, was von Ihnen in Frankfurt zu erwarten ist. Man freut sich schon jetzt, oder auch: Nach der Messe ist vor der Messe.

(Hier Post auch als Facebook-Notiz)

 

Reduced VAT Rates on Ebooks to be Expected in 2016

Samstag, Februar 27th, 2016
European-parliament-strasbourg-inside

By Cédric Puisney, CC BY-SA 3.0

From a briefing of the European Parliament, February 2016: E-Books. Evolving markets and new challenges

An announcement of the EC on the application of reduced VAT rates on ebooks is to be expected by the end of 2016.

„The advent of e-books is pushing publishers and booksellers alike to establish a digital strategy. Failure to do so can be fatal. […]

The European Parliament (EP) considers that the VAT rate applicable to e-books is a short-coming of current legislation. The EP suggested allowing Member States to apply a reduced VAT rate, on a temporary basis, to electronically supplied services with cultural content. In a May 2015 plenary debate, Andrus Ansip, Commissioner for the Digital Agenda stated that ‚the Commission [had] already started working on the VAT regime, including looking at the application of reduced VAT rates’, and would announce conclusions in 2016. Commissioner for the Economy and the Digital Society, Günther Oettinger, stressed that the lack of harmonisation of tax rates for online trade is ‚unacceptable‘, a position echoed by Commission President, Jean-Claude Juncker speaking to the Association of German Newspaper Publishers.

[Summary]

The European Commission has already begun a reflection on the VAT regime, including considering the application of reduced VAT rates and is to announce its conclusions by the end of 2016.“

What Is A Trade Impact Factor?

Montag, März 25th, 2013

By Headscratcher CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

At the 2013 IfBookThen Conference in Milan I gave a presentation about ‚bookish data‘, and I will try to convert my ideas into this blog post. In order to provoke a debate about open and shared data in publishing and the importance of data analysis and data driven retail marketing and distribution, I introduced what I would like to call the ‚Trade Impact Factor‘. It represents one of the key concepts of my new venture and its first product called ‚Monitor‘, a tool for sales and marketing data analysis designed for publishers and authors.

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The operative business of the publishing industry is undergoing a fundamental shift. Digital distribution and social media marketing are mere keywords of a massively changing environment. New ways of marketing content and approaching the reader are major challenges. Experiments can be useful, if publishers take the effort to learn from the results of their experiments. Important decisions need to be based on data analysis rather than on intuition. (Speaking of) Amazon, for example, can be considered the prototype of a successful, data-driven retailer in publishing exactly because of their radical focus on data analysis – and the actions that consequently follow it. Publishers can learn a lot from Amazon, although it might require a change in attitude, mentality and self-understanding, which is not always easy to achieve. Perhaps publishers will eventually become professionals in data analysis, if they aren’t already. Don’t underestimate publishers! The industry, the industry has recognized and acknowledged the crucial role of data analysis – and my new venture will offer the necessary tools.

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Publishers have access to a lot of data, already. Much more additional information and data can be found on the web or will be available in the future – via API’s, which will obviously be offered by various companies, retailers, platforms, services, that will make a business out of it. Combined and analysed properly, these data can improve marketing and sales of books and ebooks or help to drive product innovation.

Let me present to you a short and non-complete list of different data which could be used for a smart analysis:

Monthly Sales Reports

Printbook orders as well as actual book sales are properly reported back to publishers on a daily basis for some time now. The analytic tools, which are offered by major distributors and market research companies, are quite impressive. When it comes to ebooks (which is the focus, here), publishers receive title related sales reports from the retailers only on a monthly basis. This seems sufficient to me, as the sales reports are mainly used for accounting purposes and royalty settlement with the authors. But for marketing and distribution purposes, the frequency of monthly sales reports clearly is not sufficient.

Daily Sales Trends

More and more retailers or distributors (at least in Germany) have improved their reporting and will be delivering sales trends back to publishers on a daily basis or even, yes, in ‚real time‘. Apple has introduced this positive development to ebook publishing, a knowledge transfer from the audio distribution business, which is appreciated very much. With a derivative of EDItX, the German ebook market has agreed on a standard for the exchange of monthly sales reports as well as daily sales trends. Well done.

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But not only sales data should be taken into account for analytics of the ebook market. In fact, sales figures can be pretty reluctant, refusing to tell publishers the story of their genesis. To assess the relevance and dynamics of a title correctly, publishers better have a look at the trend indicators and context parameters that accompany their sales data as well.

Reviews

Reviews on news and magazine websites or professional and even non-professional blogs can be quite important for book and ebook publishers alike. They need to be tracked by publishers, because – depending on the relevance of the author, blog or magazine – the opinion represented in a review can have a crucial influence on future sales – and on further reviews, just like customer reviews.

Customer Reviews

Customer reviews in shops, on review sites like Goodreads, Lovelybooks or social reading platforms like Readmill, provide a very detailed user feedback. They are a great way for authors and publishers to receive a proper feedback to their work. In most cases the contents of the reviews are accompanied, ‚summarized‘, by a more or less standardized (five star) rating, which helps to aggregate this kind of feedback automatically.

User Behavior

Imagine libraries and library aggregators providing the numbers of digital library lendings. Despite current friction between publishers and libraries, the transfer of lending data is just a matter of time. Especially as subscriptions services for ebooks (the natural competitors of libraries) will be making a virtue and business out of user analysis.

Sales Ranks And Topseller Lists

Authors and publishers staring at sales ranks and topseller lists.

Social Buzz

Data from social media platforms like Facebook, Twitter, Google+ can be far more than just an alerting service for publishers! Of course it is interesting to keep track of the number of interactions, likes and shares across the various profiles. In the future, mentions and comments will be analysed in more detail by what is called: Sentiment analysis.

Ecommerce

Ebook shops are in an advantageous position compared to publishers, as they control the customer and might not always be willing or legally allowed to share the data they have. But publishers do invest in their own stores and retail non the least in order to learn more about their customer. Very soon, ‚cooperation in data exchange‘ might even be an asset for retailers and platforms to compete in the market.

However, it will be interesting to have a look at the information: How customers were directed to the shops and titles, whether reading samples provoke up-selling, what customers buy the content, and what other products they might be interested in.

Authors And Publishers

Does anyone have an idea about the relevance of the number of Twitter followers, Facebook friends or subscribers of authors and publishers? What do peaks in traffic of their websites, social media accounts and fan pages mean?

Marketing Activities

It would be even more interesting to track marketing-, social-media campaigns or promotions. There seems to be a whole industry grounded on the fact that the feedback to these kind of activities can not be followed properly and marketing success can hardly be analysed.

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Trade Impact Factor

The real challenge when dealing with loads of data (apart from getting ahold of them) is to make sure to deal with them in the right way. It certainly does not make any sense to merely present in a user interface all data that possibly can be collected. With Monitor, we would like to encourage publishers to ask the right questions first, so that the reporting can match the actual needs, and provide the right answers.

In addition to the creation of a useful reporting tool, one of our most challenging aims will be to conceive a measure for trending titles and their social impact! What is happening around the titles? Did marketing efforts succeed? We are convinced that it is important not only to keep track of daily sales figures. What if you had 50.000 downloads of an ebook as a result of a promotion, but no one reading the book? What if you had more social buzz than actual sales?

With Monitor, publishers can use the actual sales data and connect them with relevant context information to find out more about the background story of the numbers. For this we would like to create a measure called: The Trade Impact Factor.

The Trade Impact Factor will be able to reflect all the mentions, reviews, posts, citations, likes, shares, lendings, streams, subscriptions, downloads and sales. And certainly, the Trade Impact Factor must be considered a proposal for a debate on data analysis, which hopefully will create some feedback. Be assured that it will be a quite interesting proposal.

Mutual Exchange Of Data

Interestingly, many questions that have been raised above are not only posed by publishers but also by retailers. When it comes to marketing, publishers and retailers depend on each other. Retailers know their own customers via the platforms and accounts they control. But are they able to keep track of the relevant impact factors that provoke sales? Publishers start to learn more about their readers via blogs, fan pages, social media accounts, too – plus they coordinate marketing efforts, schedules and budgets.

With Monitor, not only publishers will get access to a lot of data, but also retailers. It is one of our company’s major goals to create an infrastructure for the mutual exchange of data between publishers and retailers in order to optimize data driven retail marketing and distribution.

In this network of publishing data, shops will provide sales trends and other data back to publishers. Publishers will provide data on the ,trade impact’ of their titles to shops, so that retailers will be able to compare title sales on their own platform with the attention for certain titles in the market.

There is a strong interrelation between marketing and promotion by the publishers and front page placements, newsletters, recommendation lists of the retailers. When both go hand in hand, supported by a timely exchange of data between both, this will benefit sales for publishers and retailers alike.

tl | dr

There is new ebook start-up company based in Berlin, who is offering big data monitoring and analysis for publishers and retailers, and will be creating a measure for trending titles called the ‚Trade Impact Factor’.

[UPDATE] Pressbooks veröffentlicht Online-Publishing Paket als WordPress-Plugin

Mittwoch, Februar 27th, 2013

Beachtenswert und sehr cool für Verlage und Selfpublisher gleichermassen: Ende Januar wird Pressbooks ein komplettes Online-Publishing-Paket zur Herstellung von Büchern, Ebooks und Webbooks als WordPress-Plugin unter einer GPL Open Source Lizenz zur Verfügung stellen!

[Update 26. Februar 2013]
Das WordPress-Plugin is nun verfügbar. Hier finden sich einige wichtige Informationen:
http://blog.pressbooks.com/?p=211

Die letzte Version wird jeweils hier gehostet:
https://code.google.com/p/pressbooks/

Webbooks online publizieren
Das bedeutet ganz konkret: Man kann mit Pressbooks Bücher und Ebooks online schreiben, zugleich in einem Abwasch das Druck-PDF und Ebook-Dateien erzeugen! Nach der Herstellung können die Bücher online im Browser oder optimiert für Tablets und Smartphones als Webbook publiziert werden.

Zudem haben Verlage und Autoren die Möglichkeit, mit Pressbooks eine schlanke, eigene Webseite für die Publikations-Projekte zu erzeugen und ihrem jeweiligen Design anzupassen.

Hier zwei Beispiele von Webseiten und Publikationsprojekten, die mit Pressbooks erzeugt wurden:

http://askmen.pressbooks.com/
http://theroguereader.com/

Hugh McQuire schreibt auf dem Pressbooks Blog:

„Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft des Buches neue Modelle verlangt, und neue Modelle brauchen offene Plattformen, die es Verlagen und Autoren erlauben, Dinge auszuprobieren. […] Wir wollen, dass Verlage mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren, insbesondere mit der Möglichkeit, Inhalte als Webbooks online bereitzustellen. […]

Pressbooks wird für Nutzer kostenfrei bleiben, aber wir werden Premium-Dienste anbieten bei der Herstellung von Druckvorlagen, Ebooks und Webbooks. […] Das Pressbooks-Plugin kann kostenfrei heruntergeladen werden, der Code angepasst und frei genutzt werden.“

Meine Empfehlung für Verlage für das neue Jahr 2013!

Die Bedeutung dieser Ankündigung kann man meines Erachtens nicht hoch genug einschätzen. Mit Pressbooks können nun digitale Inhalte sehr unkompliziert hergestellt werden und in kompakter Form auf für die jeweiligen Titel angefertigten Webseiten publiziert werden. Das Online-Lesen ist schick, funktioniert extrem gut auf Smartphones oder anderen Devices, man kann Inhalte aus der Anwendung heraus teilen oder Zitate zu Facebook oder Twitter senden. Falls Inhalte auch über Ebooks-Shops vertrieben werden, kann man als Autor oder Verlag seine Leser direkt zum Kindle-Shop, iBookstore oder anderen Shops schicken.

Ich kann mich Hugh’s Empfehlung nur anschließen: Testet Pressbooks doch einfach mal!

 

Über Ebook-Marketing und Trenddaten

Mittwoch, Oktober 31st, 2012

Verlage haben die ersten Hürden auf dem digitalen Markt genommen. Nun geht es darum, gemeinsam mit den Ebook-Shops das Handelsmarketing zu verbessern. Dabei spielen Trenddaten über die Ebook-Verkäufe eine zentrale Rolle. (tl|dr) —

Das Ebook ist für Verlage mehr als eine Wette auf die Zukunft. In der Zwischenzeit hat sich das Geschäft für die Verlage, die das Thema ernsthaft und entschlossen angegangen sind, zu einer veritablen Erlösquelle entwickelt.

Der Umsatz, der mit digitalen Medien inzwischen erwirtschaftet wird, liegt bei den Verlagen weit jenseits jener durchschnittlichen 1% Anteil vom Gesamtmarkt, die immer so gern kolportiert werden.

Die Herstellung oder Konvertierung von Ebooks stellen Verlage vielleicht strategisch, nicht jedoch praktisch vor große Herausforderungen. Für die Auslieferung und den Vertrieb der Inhalte an die Shops und Portale stehen in Deutschland so viele Unternehmen parat wie in keinem weiteren Ebook-Markt der Welt.

Mehr Aufmerksamkeit für Ebooks

In diesem immer noch sehr jungen Ebook-Markt werden aktuell eine Reihe von Maßnahmen diskutiert, die Verlagen helfen sollen, ihr Ebook-Geschäft weiter zu professionalisieren. Wichtige Schlagworte sind hier „Discoverability“ und „Social-Media-Marketing“. Gut, denn dies zeigt, dass es nunmehr darum geht, Aufmerksamkeit zu generieren bei potenziellen Lesern; sei es durch gute und aussagekräftige Metadaten, die das Auffinden der Inhalte in den Shops verbessern sollen oder durch gezielte Kundenansprache über Portale wie Facebook, Twitter oder Pinterest. Diese Maßnahmen können flankiert und wesentlich unterstützt werden durch gezielte Aktivitäten im Handelsmarketing.

Gutes Handelsmarketing zeichnet sich dadurch aus, dass Verlage ihren Kunden – und das sind in der Regel die Shops und Plattformen, die Ebooks an Endkunden verkaufen – zusätzlich zu den Metadaten ihrer Titel weitere Informationen über das Umfeld von Autor und Titel bereitstellen, seien dies Informationen über Lesereisen, Medienauftritte, wichtige Rezensionen in Blogs und Printmedien oder die Facebook-Fanpage der Autoren. Dadurch werden die Shops in die Lage versetzt, die Titel der Verlage dort und genau dann umfassend zu bewerben, wenn es am meisten Sinn macht: Auf den Startseiten oder Empfehlungslisten der jeweiligen Homepages, wenn über die Titel gesprochen wird.

Andere Regeln bei Ebook-Marketing

Ausschlaggebend für die erfolgreiche Vermarktung von Ebooks ist das Timing. Ebook-Verkäufe haben einen sehr spitzen Verlauf, denn sie verkaufen sich nur dann, wenn ihnen eine medial vermittelte Aufmerksamkeit zuteil wird, entweder in den Foren, auf den Startseiten oder in den klassischen Medien.

Es ist jedoch etwas anderes, wenn eine Buchhandelskette einen Stapel gedruckter Bücher einkauft, um sie in den Eingangsbereichen der Filialen ihren Laufkunden bereitzustellen, oder ob ein Ebook auf der Startseite eines Shops für eine Woche dem Kunden prominent feilgeboten wird. Gedruckte Bücher sind in der Regel schon verkauft, die Vertriebsarbeit der Verlage findet also weitestgehend im Vorfeld der Veröffentlichung statt. Ein Ebook muss hingegen nicht nur auf den Punkt, sondern möglicherweise auch weit nach dem Veröffentlichungstermin vermarktet werden, ansonsten verschwindet es für immer in den Tiefen des Long Tails.

Aktuelle Informationen über die Marketingtraktion und die verkauften Exemplare unterstützen die Verlage hier bei Ihrer Arbeit ganz wesentlich. Bei jeder Bestellung eines Buchtitels schreibt der Verlag oder seine Auslieferung eine Rechnung an den Kunden. Diese Faktur speist dann wiederum die Reportingsysteme der Auslieferungen, die Verlage zur Analyse ihrer Printverkäufe nutzen können. Das Problem des gegenwärtigen Ebook-Marktes besteht jedoch darin, dass Verlage von den Shops und Plattformen nur jeweils monatlich verbindliche Abrechnungsinformationen darüber erhalten, wie oft sich welcher Titel verkauft hat.

Trenddaten helfen bei der Strategie

Nur wenige Ebook-Shops liefern Verlagen derzeit aktuelle Trenddaten über ihre Ebook-Verkäufe, die Aufschlüsse über die digitale Traktion ihrer Titel geben. Gerade zu Beginn eines neuen Marktes kommen Daten jedoch eine große Bedeutung zu. Mit ihrer Hilfe können Verlage die richtigen strategischen Entscheidungen treffen und die eigenen Aktivitäten bewerten. Daher ist es gerade bei Ebooks wichtig, zeitnah möglichst aussagekräftige Informationen über Ebook-Verkäufe zu erhalten.

Trenddaten dienen als Indikator dafür, ob Produktformat, Pricing, Marketing und Zielgruppenansprache zueinander passen. Sie geben Aufschlüsse über die richtige Veröffentlichungsplanung und Taktung neuer Publikationen. Kurzum, sie sind die Voraussetzung zur Professionalisierung des Ebook-Geschäfts der Verlage.

Und das kommt nicht nur den Verlagen zugute. Ebook-Shops haben ein sehr großes Interesse daran, Marketinginformationen von den Verlagen zu erhalten, um ihre Kunden entsprechend auf interessante Neuerscheinungen hinzuweisen, denn das schlägt sich sehr schnell in zusätzlichen Verkäufen nieder.

Shops und Verlage sind also wechselseitig an der optimalen Vermarktung ihrer Ebook interessiert. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sowohl aufseiten der Verlage als auch aufseiten der Shops die Möglichkeiten geschaffen werden, um die Trends auch zeitnah zu erkennen.

(Dies ist ein Repost meines Beitrags, der zuerst im Buchreport.Magazin, Oktober 2012, S. 102f. erschien, danach auch im Buchreport.Online.)

TOC Frankfurt 2012 – Ein Ausblick

Sonntag, September 30th, 2012

Am Dienstag, den 9. Oktober 2012 findet im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse die mittlerweile vierte O’Reilly Tools of Change for Publishing-Konferenz statt, ein Event, das sich als eines der wichtigsten internationalen Zusammenkünfte der Verlagsbranche herauskristallisiert hat. Denn zu keiner anderen Gelegenheit im jährlichen Veranstaltungskalender finden sich so viele Experten aus der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam über aktuelle Trends und Innovationen der Verlagsbranche zu diskutieren.

Deutsche Verlage haben sich der Veranstaltung in den letzten Jahren eher fern gehalten. Das ist interessant, weil man umgekehrt konstatieren kann, dass das Interesse an dem deutschen Buch- und Ebook-Markt, dem drittwichtigsten Markt der Welt, von internationaler Seite stetig steigt. International ist man sehr an einem Dialog mit deutschen Verlagen interessiert.

Ich möchte deshalb an dieser Stelle insbesondere bei den deutschen VerlegerInnen und VerlagsmitarbeiterInnen für eine Teilnahme an der TOC Frankfurt 2012 werben und in zweifacher Hinsicht einen Anreiz dafür geben, den Weg nach Frankfurt einen Tag früher anzutreten. Zum einen dadurch, dass ich meine persönlichen Highlights des Tagungsprogramms anführe. Zum anderen durch einen von O’Reilly freundlicherweise für die Leser dieses Blogs zur Verfügung gestellten Discount-Code, mit dem Sie bei Registrierung einen Rabatt von 20% erhalten. Geben Sie einfach den folgenden Rabattcode ein: TOC12SP20

Neue Geschäftsmodelle

An Konferenzen, die sich mit dem digitalen Wandel der Verlagswelt beschäftigen, ist auch hierzulande kein Mangel. So leisten Klopotek mit dem Publishers Forum seit vielen Jahren gute Arbeit und laden immer wieder internationale Gäste zu Vorträgen ein, um den Blick auf die internationalen Märkte und interessanten Entwicklungen der Branche zu richten.

Auch auf der TOC Frankfurt geht es um neue Geschäftsmodelle, die „Tools of Change“, wenn man so will. Ihnen sind mit dem Innovators Track und dem Innovators Showcase, moderiert von Sophie Rochester  (The Literary Platform) und Christophe Maire, eine ganze Reihe von Sessions gewidmet, u.a. mit Joe Regal (ZolaBooks), Joshua Cohen (Ganxy.com), Matthew Crockatt (And Other Stories), Eric Hellman (Unglue.it), Jesse Potash (Pubslush), Kevin Franco (Enthrill Media), Andreas Wiedmann (Metaio) und Jason Illian (BookShout).

Die TOC Frankfurt ist aber ganz ausdrücklich keine Konferenz der Dienstleister, die ihre neuesten Produkte an den Verlag bringen wollen. Vielmehr geht es um neue Ideen, ein neues Denken. Und da lohnt es sich zuzuhören! In der Regel prägen kein Beratersprech, kein „Verlage müssen dies tun oder jenes tun“, sondern ein „Schaut mal was wir tun und welche Erfahrungen wir gesammelt haben“ den Ton der TOC. Die Panels und Sessions verweisen also eher auf eine Fragestellung, einen Ansatz, eine Option, die für Verlage und ihr digitales Geschäft interessant sein könnten: Sie sollen inspirieren.

Data Analysis und Open Publishing

Persönlich finde ich in diesem Jahr den Zusammenhang von ‚Data Analysis‘ und ‚Open Publishing‘ besonders interessant. Wie und auf Basis welcher Erkenntnisse werden Verlage die Herstellung und den Vertrieb von Inhalten in Zukunft organisieren, um den Zugang zum Leser zu gewinnen? Wie entwickeln sich die Schnittstellen zwischen Verlagen und Lesern – im übertragenen genau wie im technischen Sinn?

Gerade zu Beginn eines neuen Marktes kommen dabei Daten eine gewichtige Rolle zu, denn sie erlauben es, die richtigen Entscheidungen bei der strategischen Aufstellung eines Verlags für das digitale Zeitalter zu treffen. Tod Carpenter wird darüber mit Ken Michaels (Hachette Book Group US) und Michael Tamblyn (Kobo) diskutieren

Daten sind jedoch kein Selbstzweck. Bestenfalls lassen sich aus den aggregierten Daten wichtige Erkenntnisse darüber gewinnen, auf welche Art und Weise und mit welchen Mitteln in Zukunft Geschichten erzählt werden, seriell und viral. Sophie Rochester wird darüber mit Dan Franklin (Random House UK), Justin Keenan und Jennifer 8. Lee (Plympton) sprechen.

Design and Typography

Sollte der Leser nicht ein Anrecht darauf haben, tolle Geschichten auch in einer ansprechenden Form präsentiert zu bekommen? Die Bedeutung von Design und Typographie beim Ereading stellt Baldur Bjarnason auf seinem Blog http://www.baldurbjarnason.com/ immer wieder heraus. Pointiert wie kein anderer kritisiert Bjarnason immer wieder den Status quo der Entwicklung aktueller Ebook-Formate, die der digitalen Leseerfahrung die schrecklichsten ästhetische Widerstände zumuten, irgendwo im Niemandsland zwischen technischer Unzulänglichkeit, ja Konzeptlosigkeit bei Umsetzung und Adaption, zwischen Affirmation und Konterkarierung von Standards. Auf die Session mit Bjarnason freue ich mich persönlich am allermeisten.

API’s in Publishing

Möglicherweise sind geschlossene Container in geschlossenen Systemen aber gar nicht das Ende der Entwicklung von Ebooks. Wie API’s und offene Schnittstellen dazu geführt haben, die mediale Wahrnehmung von Nutzern fundamental zu verändern sowie Leser mit Anbietern von Inhalten auf eine ganz neue, dynamische Art und Weise zu verbinden, das zeigt gerade der ernorme Aufstieg der sozialen Netzwerke und Apps sehr deutlich. In der Verlagsbranche sind API’s jedoch noch nicht wirklich angekommen. Umso interessanter sind die Sessions zu den Themen ‚Open Publishing‘ mit Joe Wikert (O’Reilly) und ‚APIs in Publishing‘ mit Anna Lewis und Oliver Brooks (ValoBox) und Adam DuVander (ProgrammableWeb).

Diese neue Art des Publishing stellt ganz besondere Herausforderungen an ein professionelles, automatisiertes Rechtemanagement, d.h. an die Verwaltung von multimedialen Rechten in einem vernetzten, internationalen Kontext. Dem trägt die Session mit Bob Kasher (iviago) und Michael Healy (Copyright Clearance Center) Rechnung, die von Mark Bide (EDItEUR) moderiert wird. Dass Rechtemanagement und DRM zwei ganz unterschiedliche Dinge sind, verdeutlicht die Podiumsdiskussion am Ende der Veranstaltung mit Joe Wikert (O’Reilly) und Bill McCoy (IDPF), die von Laura Hazard Owen (PaidContent) moderiert wird.

Die Veranstaltung findet statt am Dienstag, den 9. Oktober 2012 im Frankfurt Marriott Hotel, Hamburger Allee 2, weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der TOC Frankfurt.

 

Clean Perspectives

Freitag, Juni 1st, 2012

Have a look at this wonderful, handmade piece! This towel has been made especially for this blog. It will surely clean my thoughts and perspectives.

Thanks Franzi!

Blogging Needs a Beginning

Dienstag, April 17th, 2012

Well, blogging needs a beginning. And this is it, obviously taking some of the texts, that I have written and presented over the last years being involved in ebooks and digital publishing, putting them online, here, assembled. Some of them outdated, which makes it so obvious for me, that change does not make halt even in front of game changing innovations!

Hey, publishing! Innovation and change will not make halt, even not in front of you, telling everyone (who is not at all interested in listening to you), how important reading and education is for everyone or for society or for culture or the future of mankind! I am with you, although I might be one of the few!

A historical perspective is always a very helpful (and I can tell as I have spend months working in the dusty archives of the 17th and 18th Century). I will constantly be asking and irritating myself: What will I think reading my own posts in 10 years? Does it make sense now? Did it make sense then? Am I alienated enough, which I would consider to be a good thing, or am I just embarrassed?

Apropos embarrassing … I will write in German, and I will try to write in ‚Englisch‘ as well, often, whenever possible or suitable! But please prepare for the worst English and excuse me for my mistakes! Someone very close to me would not even let me publish any of my ‚proprietary Genglish‘ posts to you, but I must not ask her to have a look at anything I expect to write, beforehand. I cannot even thank her enough for everything she did for me over the last years!

Many topics will surely not be interesting for an international audience: Details, debates, companies, constellations in the German ebook market. (We have a bookprice fixing! – You want to learn about bookprice fixing?) I will focus writing posts in English that might be interesting for you, my dear reader!

Why „Publishing hurts“?

We are Zeitzeugen of a shift of paradigm in media, which will violently and vehemently shake and shatter the foundations of a more than two hundred year old business model. For publishers – and I consider myself to be one of them -, it is not always easy to cope with this change and to position themselves in a completely reshaped digital environment.

The move towards ebooks and epublishing can only succeed with effort and sacrifice, which will be painful and still require a passionate involvement at the same time. Ebooks are often the cause of bad mood, insomnia, headaches, even depression, especially when publishers deal with ebooks because „they have to.“

On the other hand, there is so much passion, love, lust, energy – pathos in publishing! These are Nietzschean dimensions! It is a wonderful suffering, this digital publishing! Publishing hurts!

In no other industry you will find people with more inspiration, vivacity, wit, love, lust, passion and affirmation for what they are doing. And this ‚passionate digital publishing‘ is what I personally care of, what drives me as a publisher and service provider, and what will hopefully influence and determine the posts of this blog!

Businesswise, have a look at my LinkedIn page. Currently, I am available for advice, support, consulting and strategic business development in the fields of ebooks, digital distribution and ebook retail marketing. I can offer project management with expertise in implementation, might be able to bring good people and good companies together. I would also be open for an international commitment.

You can reach me via email, by phone or via Twitter.

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