Matt Haig hat ein Buch geschrieben, in dem eine Frau zwischen Leben und Tod in eine Bibliothek gelangt, in der jedes Buch ein anderes Leben ist, das sie hätte leben können. Sie wählt sich durch die Leben durch. Am Ende entscheidet sie sich für das echte.
Das ist eine schöne Idee. Borges hätte etwas draus gemacht. Haig macht auch etwas draus, nur etwas anderes.
Die Mitternachtsbibliothek ist ein Wohlfühlbuch über Depression und den Wert des eigenen Lebens. Es sagt dem Leser, dass das Leben, das man hat, trotz allem es wert ist, gelebt zu werden. Das ist eine wichtige Botschaft. Es ist auch eine einfache Botschaft.
Für die Einfachheit der Botschaft fühlt sich das Buch manchmal zu selbstsicher an. Die Metapher wird ausgeschöpft bis zum Rand. Man bekommt das Gefühl, einem freundlichen Philosophielehrer zuzuhören, der nichts dem Zufall des eigenen Denkens überlassen möchte.
Ich empfehle es dennoch – mit Einschränkung. Für Menschen, die einen schweren Moment haben und etwas Freundliches brauchen: lesen. Für Menschen, die literarische Herausforderung suchen: woanders suchen.
Na ja, kurz gesagt. Gut gemeint. Gut gemacht. Nicht unverzichtbar.