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Urteil Pflicht Lesebefehl: Yellowface (R.F. Kuang)
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Lesebefehl: Yellowface (R.F. Kuang)

R.F. Kuang hat ein Buch über den Literaturbetrieb geschrieben. Über Rassismus im Verlagsgeschäft, über kulturelle Aneignung, über die Heucheleien des Kulturbetriebs und den Cancel-Wahnsinn der sozialen Medien. Sie hat dieses Buch in einem Ton geschrieben, der scharf ist, der unangenehm ist, der einem nicht erlaubt, sich auf die richtige Seite zu stellen und sich dabei gut zu fühlen.

Das Buch heißt Yellowface. Es ist wichtig.

Die Protagonistin June Hayward stiehlt nach dem Tod ihrer besten Freundin – einer erfolgreichen chinesisch-amerikanischen Autorin – deren unveröffentlichtes Manuskript und veröffentlicht es unter einem leicht asiatisch klingenden Pseudonym. Was folgt, ist kein einfacher Moralfall. June rechtfertigt sich. June lügt sich an. June hat, wenn man genau hinhört, nicht immer unrecht – und das ist das Verstörende.

Kuang ist kein fairer Erzähler. Sie will es nicht sein. Sie stellt uns eine Protagonistin hin, die wir nicht mögen sollen – und die wir trotzdem verstehen. Das ist schwieriger, als es klingt.

Ich empfehle dieses Buch. Nicht weil es angenehm zu lesen ist. Weil es notwendig ist. Yellowface ist ein Buch über die Literaturbranche, geschrieben von jemandem, der in ihr lebt und sie nicht mag und trotzdem bleibt. Das ist, wenn man darüber nachdenkt, sehr vertraut.