»Fourth Wing« von Rebecca Yarros erschien 2023 und wurde, soweit der Professor das überblickt, von ungefähr der gesamten weiblichen Bevölkerung zwischen sechzehn und vierzig Jahren gelesen, fotografiert, auf Videokanälen besprochen, auf T-Shirts gedruckt und in mindestens drei Ländern als »das Buch des Jahres« bezeichnet. Der Professor hat es gelesen. Der Professor urteilt.
Zum Inhalt: Eine junge Frau besucht eine Kriegsakademie für Drachenreiter. Es gibt Drachen. Es gibt einen dunklen, gefährlichen Mann, der schön ist. Es gibt Magie, Kampf, Intrigen, und eine Liebesgeschichte, die sich über rund vierhundert von achthundert Seiten hinzieht, bevor sie sich in eine andere Art von Liebesgeschichte verwandelt. Es gibt weitere Bücher in dieser Reihe. Es wird, dem Professor ist das nicht entgangen, noch weitere geben.
Was der Professor anerkennt: Das Buch ist handwerklich kompetent. Die Kapitel enden an Stellen, die den Leser dazu verleiten, weiterzulesen. Die Figuren sind klar gezeichnet, wenn auch nicht besonders komplex. Die Drachen sind das Interessanteste am ganzen Buch. Das ist kein Lob. Das ist eine Beobachtung.
Was der Professor nicht anerkennt: Die achthundert Seiten. Ein Buch, das dieselbe Geschichte in vierhundert Seiten erzählen könnte, hat keine literarische Rechtfertigung für achthundert Seiten. Es hat eine kommerzielle Rechtfertigung. Das ist nicht dasselbe.
Was der Professor grundsätzlich nicht versteht: Warum Drachen. Warum immer Drachen. Die deutschsprachige Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts hat keine einzige bedeutende Drachengeschichte hervorgebracht. Das war kein Versehen. Das war Urteilsvermögen.
Das Urteil des Professors lautet: Verboten. Nicht weil das Buch schlecht ist – es ist nicht schlecht, es ist nur sehr, sehr lang und handelt von Drachen. Verboten, weil es achthundert Seiten gibt, die man in dieser Zeit lesen könnte, und die meisten davon sind bedeutender als diese. Der Professor nennt auf Anfrage gern Alternativen.
Er wird gefragt werden. Er weiß, dass er gefragt werden wird.