Andrea Wulf hat sich die Jenaer Romantiker vorgenommen: Schiller, Goethe, die Schlegels, Novalis, Fichte, Schelling, Hegel – eine Ansammlung von Genies und Egomanen auf engem Raum, die sich gegenseitig bewunderten, bekämpften, liebten und verließen, und die dabei, nebenbei, die Grundlagen der modernen Philosophie und Literatur legten.
Das ist ein schwieriges Buch-Projekt. Es ist Wulf gelungen.
Fabelhafte Rebellen ist das, was die Angelsachsen popular history nennen und was auf Deutsch selten so gut funktioniert: historische Wissenschaft, die sich liest wie ein Roman, ohne dabei zu lügen. Wulf schreibt mit einer Energie, die dem Material entspricht – diese Menschen hatten viel Energie, meistens zu viel, oft auf Kosten anderer.
Was das Buch besonders macht: Es geht nicht nur um Ideen, sondern um die Menschen hinter den Ideen. Um die Nächte, die sie schrieben. Um die Ehen, die scheiterten. Um Novalis, der nach dem Tod seiner Verlobten das Schönste schrieb, das die deutsche Romantik hervorgebracht hat, und zwei Jahre später selbst starb.
Das ist Geistesgeschichte als menschliche Geschichte. Das ist, was Bücher über vergangene Epochen können sollten und meist nicht tun.
Ich empfehle es dringend. Für alle, die wissen wollen, woher unsere Ideen kommen. Und für alle, die nicht wissen, dass sie das wissen wollen.