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Urteil Verboten Lesebefehl: Colleen Hoover – It Ends with Us
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Lesebefehl: Colleen Hoover – It Ends with Us

Man hat mir erklärt, dass ich dieses Buch gelesen haben muss, um die Gegenwart zu verstehen. Man hat mir erklärt, dass es auf TikTok gesehen wurde. Sehr oft. Von sehr vielen. Das war die Empfehlung.

Ich habe es gelesen. Ich habe die Gegenwart jetzt verstanden. Ich wünschte, ich hätte es nicht getan.

Colleen Hoovers Roman – 2016 erschienen, ab 2021 durch BookTok zur Weltliteratur befördert und seit Januar 2022 auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste – behandelt das Thema häusliche Gewalt. Das ist ernst gemeint, das ist wichtig, und das ist das Problem: Denn der Roman behandelt dieses ernste Thema mit der emotionalen Architektur einer Liebesgeschichte, die ihre Fallhöhe aus der Spannung bezieht, ob die Protagonistin sich für den richtigen Mann entscheidet.

Das ist nicht Literatur über Gewalt. Das ist Gewalt als Kulisse für ein Beziehungsdrama. Der Unterschied ist erheblich.

Ich sage das ohne Vergnügen. Millionen Menschen haben dieses Buch gelesen, viele davon zum ersten Mal ein Buch in Jahren. Das ist nicht nichts. Aber der Kontext, in dem es gelesen wird – als Tränen-Trigger, als emotionales Erlebnis, als Empfehlung mit Weinen-Emoji – macht das Thema, das es vorgibt zu behandeln, kleiner, nicht größer.

Wer ernsthaft über häusliche Gewalt lesen will, dem empfehle ich andere Bücher. Wer weinen möchte: Das Buch leistet zuverlässig, was versprochen wird.

Urteil des Professors: Verboten. Nicht weil das Thema falsch ist. Sondern weil das Buch mit dem Thema falsch umgeht.