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Vorfall

Die Buchhandlung stirbt. Schon wieder.

Ich erinnere mich an das erste Mal, als mir jemand erklärte, dass die Buchhandlung sterben würde. Das war, grob gesagt, vor dem ersten iPhone. Der Grund damals: das Internet. Amazon. Die unaufhaltsame Logik des günstigeren Preises.

Die Buchhandlung starb nicht.

Dann kam der E-Reader. Das digitale Buch, das alle physischen Bücher ersetzen würde, weil es praktischer war, leichter, billiger. Die Buchhandlung, die nur physische Bücher verkaufte, würde aussterben wie das Schallplattengeschäft.

Die Buchhandlung starb immer noch nicht.

Dann die Pandemie, die alles schloss. Dann die Inflation, die den Buchpreis in Regionen trieb, die man als »beunruhigend« bezeichnen kann. Dann TikTok, das – je nach Perspektive – entweder die letzte Rettung oder das endgültige Ende der literarischen Kultur darstellt.

Und die Buchhandlung? Ich war letzte Woche in einer. Es gab eine Warteschlange.

Ich möchte nicht naiv sein. Buchhandlungen schließen. Manche Städte haben keine mehr. Die kleinen, unabhängigen Buchhandlungen kämpfen, und nicht alle gewinnen diesen Kampf. Das ist real und das ist traurig.

Aber die Behauptung, dass die Buchhandlung – als Institution, als Konzept, als Ort – stirbt, diese Behauptung ist bereits mehrfach widerlegt worden.

Was ich stattdessen beobachte: Die Buchhandlung transformiert. Sie wird kleiner, kuratierter, persönlicher. Sie wird zu einem Veranstaltungsort, einem Treffpunkt, manchmal auch zu einem Café, was ich persönlich für eine Konzession an den Zeitgeist halte, die ich aber akzeptiere.

Die Buchhandlung stirbt nicht. Sie häutet sich.

Das ist anstrengender als das Sterben. Aber es ist auch interessanter.