Parragon Books existiert nicht mehr.
Das ist, zugegebenermaßen, keine ganz frische Neuigkeit. Der britische Buchproduzent – bekannt für großformatige Geschenkbücher, Kindertitel und jene Backlist-Ware, die in deutschen Kaufhäusern zu Weihnachten die Tische füllte – stellte 2018 den Betrieb ein. Gegründet 1988 von Guy Parr und Paul Anderson, seit 2001 im Besitz des schottischen Medienkonzerns DC Thomson, scheiterte das Unternehmen an dem, woran in dieser Branche gerade viele scheitern: zu enge Margen, zu wenig Regalfläche, zu viel Konkurrenz. 140 Mitarbeiter in Bath verloren ihre Stelle.
Kein Abschlussband. Keine Pressemitteilung mit echtem Inhalt. Stattdessen: Umstrukturierung. Konsolidierung. Synergien. Die Sprache der Konzerne ist die Sprache der Unsichtbarmachung.
Ich erzähle das nicht, weil Parragon besonders schützenswert gewesen wäre. Der Verlag produzierte mit industrieller Konsequenz, war kein Hort literarischen Mutes. Ich erzähle es, weil das Muster sich wiederholt. Kleine Verlage, mittlere Verlage, Verlagsmarken, die über Jahrzehnte das Regal mitgeprägt haben – sie verschwinden in Konzernportfolios, und niemand hält inne.
Was bleibt? Lagerhüter in Ramschregalen. Und die stille Frage, welcher Verlag als nächstes so stirbt, dass es kein Nachruf vermerkt.